
Fechten erklärt: Florett, Degen, Säbel & die Trefferregeln
Fechten gilt als „Schach in Bewegung": blitzschnell, taktisch und elegant. Es ist eine der wenigen Sportarten, die seit 1896 bei allen Olympischen Spielen dabei war. Deutschland hat eine große Fechttradition – und der Einstieg ist leichter, als viele denken.
Das Wichtigste in Kürze
- Es gibt drei Waffen: Florett, Degen und Säbel – jede mit eigenen Regeln.
- Gefochten wird auf einer 14 m langen und 1,5–2 m breiten Bahn (Planche).
- Treffer werden elektrisch angezeigt.
- Ein Gefecht geht meist bis 5 Treffer (Vorrunde) oder 15 Treffer (K.-o.-Runde).
Die drei Waffen
Florett
Eine leichte Stoßwaffe. Getroffen wird nur der Rumpf (nicht Arme, Beine, Kopf). Es gilt das Angriffsrecht: Wer zuerst angreift, hat Vorrang – der Verteidiger muss erst parieren, bevor er selbst punkten darf.
Degen
Die schwerste Waffe, ebenfalls eine Stoßwaffe. Hier zählt der ganze Körper als Trefferfläche – vom Fuß bis zur Maske. Es gibt kein Angriffsrecht: Wer zuerst trifft, punktet. Treffen beide gleichzeitig, bekommen beide einen Punkt (Doppeltreffer).
Säbel
Eine Hieb- und Stoßwaffe. Trefferfläche ist alles oberhalb der Hüfte inklusive Kopf und Arme. Auch hier gilt das Angriffsrecht. Säbelfechten ist die schnellste der drei Disziplinen.
Das Angriffsrecht – der Knackpunkt
Bei Florett und Säbel entscheidet nicht nur, wer trifft, sondern wer im Recht war. Der Angreifer behält das Recht, bis sein Angriff pariert wird oder ins Leere geht. Deshalb sieht man Fechter oft „diskutieren" – der Kampfrichter erklärt, wem der Treffer zugesprochen wird. Beim Degen entfällt diese Regel komplett.
Ablauf eines Gefechts
- Beide stehen hinter ihrer Startlinie, grüßen sich und setzen die Maske auf.
- Auf „En garde – Prêt – Allez!" beginnt das Gefecht.
- Vorrunden gehen über 3 Minuten oder 5 Treffer, Finalgefechte über 3 × 3 Minuten oder 15 Treffer.
- Wer die Bahn nach hinten verlässt, gibt einen Treffer ab.
Ausrüstung
- Maske mit Halslatz, Fechtjacke und Hose aus reißfestem Material.
- Unterziehweste (Plastron), Handschuh und Fechtschuhe.
- Bei Florett und Säbel zusätzlich eine leitfähige Weste für die elektrische Trefferanzeige.
- Sicherheit hat oberste Priorität: Ohne vollständige Ausrüstung wird nicht gefochten.
So steigst du ein
Fast alle Fechtvereine verleihen Anfängern die komplette Ausrüstung – du brauchst nur Sportkleidung und Hallenschuhe. Kinder starten oft mit 7–8 Jahren, viele Vereine haben auch Erwachsenengruppen. Am Anfang lernst du Beinarbeit: Schritt vor, Schritt zurück, Ausfall. Das ist die Grundlage für alles Weitere.
Kleines Lexikon
- Planche: die Fechtbahn.
- En garde: die Grundstellung.
- Parade / Riposte: Abwehr und der sofortige Gegenangriff.
- Ausfall (Fente): der explosive Angriffsschritt.
- Touché: „Getroffen".
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